Ergebnis der Pfarrversammlung

Das Ergebnis der gestrigen Pfarrversammlung ist folgendes Schreiben:

Sehr geehrter Herr Prälat Prof. Dr. Kaspar, sehr geehrte Frau Schillai und sehr geehrte Mitglieder des Bezirksynodalrates,

zu dem Schreiben von Bezirksdekan Pfr. Klee vom 29.11.2009 zur bevorstehenden Klausurtagung vom 04.März bis 06. März 2010 bezüglich der bevorstehenden Veränderungen im Bezirk Untertaunus möchte sich die Pfarrgemeinde St. Michael Oberjosbach wie folgt äußern.

In dem zitierten Schreiben wird ein notwendiger „Paradigmenwechsel“ beschrieben, der die „Pastoralen Räume als die zukünftigen Pfarreien“ bezeichnet. Zu den von Ihnen formulierten Fragen: „Was bedeutet in Zukunft katholische Kirche im Untertaunus? Wie kann sie geistlich/theologisch fundiert und pastoral gestaltet werden angesichts der heutigen Herausforderungen in Kirche und Gesellschaft? Welche Pfarreien wird es in Zukunft noch geben? Was kann in den anderen Kirchorten geschehen?“ sehen wir Gläubige aus St. Michael auf Grundlage des Epheserbriefs von Paulus (Eph. 2,18) folgende Perspektiven:

  • Die Schaffung von „Zentralpfarreien“ mit der Folge von Gottesdienst-Pendler-Verkehr scheint uns keine Lösung für die Gemeinde von morgen. Es liegen aus der Zentralisierung im staatlichen und kommunalen Bereich Erfahrungen vor, die uns in diesem Gebiet zu äußerster Vorsicht mahnen.

  • Gemeinde bildet sich vor Ort. Mehr als je zuvor wissen wir, dass die sozialen Kontakte und Mechanismen nicht willkürlich und auf administrativem Weg zerstört werden dürfen. Viele alte Menschen und auch Kinder, viele Gläubige würden der Kirche entfremdet.

  • Kirche ohne Bezugsperson vor Ort würde als Identifikationsraum von und mit Gemeinde erschwert. Die Dienste, die vor Ort von und mit der Gemeinde geschehen müssen, die Einheit von Verkündigung, Liturgie und Bruderdienst ginge verloren.

  • Der vom Bistum an den Verwaltungsrat herangetragene Vorschlag unser Pfarrhaus zu verkaufen bedeutet den sicheren Tod aktiven Gemeindelebens unserer Pfarrei. Und deutet für uns auf die Reduzierung von St. Michael als einen „Kirchenort“ hin, dessen Gemeindeleben dann kein eigenes Haus mehr hat.

  • Unsere derzeitige kirchliche Übergangssituation, in der gesellschaftliches und kirchliches Leben nicht mehr unmittelbar miteinander verbunden ist, würde durch eine Zentralisierung, die automatisch einen Bürokratismus bringt, noch zusätzlich erschwert.

  • Der Übergang von einer ehemals großen Volkskirche zu einer „Entscheidungs“kirche muss aus unserer Sicht vor Ort geschehen, in Gemeinden, deren Mitglieder sich nicht anonym und irgendwo im Gottesdienst begegnen. D.h. aus unserer Sicht, Kirche muss vor Ort erfahrbar sein, bleiben und aktiv gelebt werden.

In dieser Auffassung bestätigt uns aus unserer Sicht der Paulusbrief an die Epheser (2,18):„Ihr seid nicht mehr Fremde ohne Bürgerrechte, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut, der Schlussstein ist Christus selber.“

Wir Ehrenamtliche und Gläubige aus der Pfarrgemeinde St. Michael Oberjosbach sind enttäuscht darüber, dass eine Beteiligung am Entscheidungsprozess für die unmittelbar Betroffenen nicht vorgesehen ist und wünschen uns, direkter in den Entwicklung- und Entscheidungsprozess einbezogen zu werden. In allen Bereichen des öffentlichen Lebens werden wir als mündige Männer und Frauen gefordert und wünschen daher auch im Kontext der Kirche demokratische Umgangsformen.

Wir bitten Sie daher die vorgesehene Form der Mitgestaltung am Entscheidungsprozess mit den Ehrenamtlichen in den Pfarrgemeinden nochmals zu überdenken und eine aktive Beteiligung der Ehrenamtlichen einzubeziehen.

Auf der heutigen Pfarrversammlung von St. Michael Oberjosbach wurden die Gemeindemitglieder über das Schreiben von Bezirksdekan Pfarrer Andreas Klee vom 29.11.2009 informiert. Die Pfarrgemeinde und der Pfarrgemeinderat St. Michael Oberjosbach wenden sich auf das entschiedenste gegen die geplante Vorgehensweise und bringen dies mit ihren Unterschriften zum Ausdruck.

In Erwartung auf eine baldige Antwort Ihrerseits verbleiben wir mit freundlichen Grüßen

Isolde Felzer Patricia Goldstein-Egger
(Vors. d. Pfarrgemeinderates) (stellv. Vors. d. Pfarrgemeinderates)

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